Verzaubert



© Sinnenflut

 

Mit einer müden Handbewegung verabschiede ich mich vom Nachtdienst der Security. Endlich, wirklich Feierabend! Über eine Woche haben wir den neuen Fahrplan überarbeitet. Am Montag soll er in den Druck. Ein Fehlerteufel hatte sich eingeschlichen und unheilvolles Chaos angerichtet. Zum Glück betraf es nur unseren Amtsbezirk. Vorhin haben wir uns alle gegenseitig auf die Schulter geklopft und beglückwünscht. Es hat sich einmal mehr erweisen, was ein eingespieltes Team wert ist. Mein Team ist nicht mit Gold aufzuwiegen, keinen Einzigen würde ich freiwillig gehen lassen. Jetzt aber genug, ab nach Hause! Schlafen will ich! Sonst nichts!

 

Noch die Einfahrt zum Parkplatz und ich bin zu Hause. Endlich! Verdutzt schaue ich blinzelnd zu den Fenstern meiner Wohnung. Stutze, schüttle verwundert den Kopf. Die Wohnzimmerfenster sind erleuchtet, wahrscheinlich habe ich vergessen, das Licht auszuschalten. Auf dem Weg zum Fahrstuhl setzt sich mein Gedankengetriebe langsam in Bewegung. Ich komme aber zu keinem Ergebnis. Warum brennt bei mir Licht? Mir tut alles weh und ich will nur noch ins Bett! Da ich zu bequem bin die volle Hausbeleuchtung einzuschalten, fummelte ich mit meinem Schlüssel, um das Schlüsselloch zu finden. Beinahe wäre ich in voller Länge in mein Loft gefallen, als sich die Eingangstür ohne mein Zutun öffnet. Mein Gott, Walter, was ist jetzt wieder los? Ich muss ziemlich bedeppert dreinschauen, denn Sibylle, meine Waldfee, steht in der Tür und verzieht den Mund von einem Ohr zum anderen. „Guten Abend junger Mann! Ich bin mir durchaus bewusst, dass du mich anbetest ... das heißt aber nicht, dass du schon an der Tür auf die Knie gehen musst.“ Ich schüttle nur den Kopf über mich. Unseren Freitagabend habe ich noch nie vergessen!

 

Walter, das gibt Minuspunkte. Deshalb säusle ich, „guten Abend süße Waldfee, ich freue mich dich zu sehen und ...“ Lächelnd legt sie einen Finger auf meinen Mund, nimmt mir die Tasche aus der Hand, hilft mir aus dem Trenchcoat. „Keine Panik mein tapferer Kämpfer, du hast gewonnen!“ Ihre Lippen streichen dabei zärtlich über meine Stoppeln. Das ist mir unangenehm, außerdem bin ich müde und verschwitzt. Sibylle scheint das aber nicht zu stören. Sie zieht mich einfach aus. Ihre Hände streichen sanft über meine Haut. Sie weiß doch, dass ich nicht mag, dass sie mich berührt, wenn ich mich schmutzig fühle! Was hat sie vor, mir ist jetzt nicht nach Sex und neckischen Spielen! Ehe sie die Hose weiter öffnet, geht sie in die Hocke, zieht mir Schuhe und Strümpfe aus. „Liebe, allerliebste Waldf ...“, weiter komme ich nicht. „Sei brav, entspanne dich ... nur noch die Hose ausziehen ...“ die nun nach unten rutscht und zu den anderen Sachen fliegt, die schon im Zimmer rum liegen. „Komm, mein wackerer Kämpfer, vergessen wir Pläne, Stift, Lineal und Zeit. Ich schenke dir mein Wohlfühl-Schönheits-Erholungsprogramm.“

 

Sie öffnet die Badezimmertür und ich staune. Ihr seidener Kimono rutscht von den Schultern, dann zieht sie mir noch die Boxer aus. Höflich werde ich gebeten, in der Wanne Platz zu nehmen. Ich drehe mich erst einmal um mich selbst. Steige in die Wanne, mit milchigem, herrlich duftendem Wasser und stöhne wohlig auf, komme aus dem Staunen nicht heraus. Mein puristisches Bad verzaubern unzählige Kerzen. Von irgendwo her kommt sanfte, leise, klassische Musik. Ich registriere Chopin. In die Mitte der Wanne legt Sibylle ein großes Brett, gedeckt mit gesunden Köstlichkeiten, Gläsern und frischem, selbst gepressten Saft. Dann steigt auch sie in die Wanne. Ich stellte leises Sprudeln ein. „Guten Appetit mein Lieber, lasse dir den kleinen leichten Abendimbiss munden.“ Ich strahle über das ganze Gesicht. „Meine Waldfee hat gezaubert, ich danke dir dafür. Das ist wirklich eine gelungene Überraschung. Ich wünsche dir auch einen guten Appetit.“ Damit greife ich zum Baguette, dem frischen, hausgemachten Ziegenkäse mit Wildkräutern und beginne zu essen.

 

Nach dem Baden darf ich ruhen. „Wenn du kannst, bitte noch nicht einschlafen, ich bin gleich wieder da!“ Ich bin viel zu überdreht, um gleich schlafen zu können. Nach kurzer Zeit berühren mich zarte Hände, streichen sanft die Muskeln aus. Die verwendete Creme duftete nach Bienenhonig. Danach eine Bürstenmassage, von unten nach oben, von rechts nach links. Mir wird wohlig warm und ich merke, wie ich mich entspanne. „Liebes, das tut gut, aber mit Schmusen wird heute nicht viel werden.“ Ich höre ihr Lächeln, als sie sagte, dass, das auch nicht vorgesehen sei. Aber mein Teufelchen überlegt es sich anders, verdammt und ich bin so müde und jetzt auch noch träge. Die Bürste kreist weiter über meine Backen, den Rücken mittig hoch an der Seite wieder nach unten und wieder über die Backen. „Du bist eine Hexe!“ - „Wieso, i c h  doch nicht?“ - „Doch! Du machst mein Teufelchen wild! Das hat jetzt Sehnsucht nach deiner süßen Hölle, ... aber ich bin so müde!“

 

Damit drehe ich mich auf den Rücken und mein Schwanz reckt sich in die Höhe. „Oh, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet“, grinst sie mich an. „Ich weiß eine Lösung, die wird dir gefallen.“ Sie legt ihre Bürste beiseite, löscht das Licht, gibt mir einen sanften Kuss. Wünscht mir eine gute Nacht und glückliche Träume. Ihre Hüfte berührt mich, ihr linkes Bein schiebt sich zwischen meine. Sie greift sich mein rechtes Bein. Ich höre nur leise „komm auf die Seite ...“, und so wie ich mich drehe, verschwindet mein Teufel sacht in ihrer heißen, süßen Hölle. Ich halte die Luft an, so höllisch-himmlisch ist das Gefühl. Die Wärme strahlt durch meinen Körper, meine Hüfte sucht sich die angenehmste Stellung. Ich ziehe mir die Decke bis zu den Ohren und hörte noch leise: „Schlaft in guter Ruh, ihr zwei Süßen ...“

 

Als ich wach werde, ist es draußen noch leicht grau. Sibylle liegt quer im Bett. Mein rechtes Bein habe ich immer noch um ihre Hüfte geschlungen. Mein Teufel quält mich mit einer ordentlichen Morgenlatte. Vorsichtig bewege ich mich aus dem Bett, gehe ins Bad. Als ich zurückkomme und meine Waldfee betrachte, fließt mir das Herz über.

 

Vor zwei Jahren lernten wir uns in einem Forum im Internet kennen, ganz vorsichtig haben wir unsere Befindlichkeiten ausgetestet. Dann, häppchenweise unsere Identität preisgegeben. Vor einem dreiviertel Jahr das erste Date. Sie hatte mir gesagt, dass sie einige Jahre älter wäre als ich. Als sie dann vor mir stand, wusste ich, dass ich diesen Hinweis einfach beiseitegeschoben hatte. Intuitiv erfasste sie mein Zögern, lächelte mich an. „Na junger Mann, kleinen Kurzschluss im Kopfkino?“ Ihr Lächeln wurde zu einem fröhlichen Kichern. Mein Blick traf ihre Augen, warm, tief, verschmitzt und braun zogen sie mich an. Seitdem ist es um mich geschehen. Der Altersunterschied spielt absolut keine Rolle. Manchmal, zwar selten, habe ich den Verdacht, dass ich der Ältere von uns beiden bin. Ich muss schmunzeln, Sibylle kann gar nicht quer im Bett liegen! Wir haben es anfertigen lassen, 2 Meter im Quadrat, in normaler Sitzhöhe, sehr gut gepolstert und stabil. Eine Einzelanfertigung vom Handwerker.

 

Behutsam schiebe ich mich vor sie, damit sie noch nicht munter wird. Ihr Duft, leicht nach Honig und Sex macht mich an. Ich möchte ihr gern die gestrige Überraschung vergelten. Sanft umfassen meine Finger ihre Brüste und streicheln in Richtung Spitzen, ganz sanft, bis sich die Höfe zu kräuseln beginnen und die Nippel die Form von Brombeeren annehmen, schön groß und hart. Immer wieder streichle ich ihre Brüste und lasse die Nägel wie einen Hauch über die Beeren gleiten. Mich belohnt ein tiefes Stöhnen, sie rollt auf den Rücken. Ich habe besseren Zugriff. Schnell bringe ich den Teufel zur Ruhe und mache mich mit Hingabe wieder über ihre süßen Beeren her. Zarter als eine Feder steifen meine Nägel diese prallen Hügelchen. Meine Süße beginnt sich langsam zu bewegen, weiter zu schnurren. Es fasziniert mich, wie ihre Brüste scheinbar in den Himmel wachsen. Wie starke Magneten ziehen meine Hände die Brüste an. Als ich einen Nippel in den Mund sauge und sacht knabbere, wird das von einem animalisch schönen Stöhnen begleitet.

 

Eine Hand auf ihrer Scham registriert ihr wachsendes Verlangen. Vorsichtig ertaste ich ihre Bereitschaft, meinen Strammen Willkommen zu heißen. Ich habe es noch nicht richtig registriert, liege ich auf dem Rücken. Millimeterweise wird mein Penis aufgenommen. Ich spüre, wie es in ihr arbeitet, sich die Lustgrotte öffnet sich vorbereitet für unsere lustvolle Ekstase! Mein Eindringen wird zur Tortour. Das Weib macht mich wahnsinnig, so intensiv massieren mich ihre Lippen. Als ich endlich sanft am Ziel ankomme, steht sie das erste Mal neben sich. Windet sich, stöhnt, jammert, überlässt sich selbstvergessen ihrer Lust. Wie Schraubstöcke umklammert sie meine Handgelenke unterhalb ihrer Brüste. Ich genieße diesen Anblick, weiß ich doch, dass gleich wirklich ein himmlischer Höllentanz losbrechen wird. Sie reißt mich mit in ihren Strudel der Lust, verlangt mein ganzes Sein.

 

Es ist kein hektischer Aktionismus, sondern immer wieder sanftes Gleiten, Fließen, Sein. Irgendwann habe ich das Gefühl mich aufzulösen, Stück für Stück in ihrem ekstatischen Leib zu versinken ... bis zum NICHTS! Wie Phönix aus der Asche taucht mein Ich wieder auf, pures Gefühl. Jetzt nehme ich sie mit, versetze jede ihrer Zellen in Schwingungen, unsere Körper winden sich um einen imaginären Mittelpunkt. Bis ... nichts mehr geht, wir in Auflösung begriffen sind ... wir liegen übereinander, ganz still, spüren uns, das Zurückfließen unserer Bewusstheit, dass wir eigentlich zwei sind. „Wow, Liebste! Ich schwebe ...“ Träge kommt es von ihr: „Hmm, ich ... auch ... hmm... komm weiter mit ...!“Zärtlich knabbert sie an meiner Oberlippe, zieht mich tiefer in sich und der süße Wahnsinn setzt sich fort!

 

Als ich langsam auftauche, meine Umgebung wieder wahrnehme, steckt der Teufel immer noch im Detail. Ganz friedlich schlummert er in der warmen Höhle. Irgendwann hat sich die Relation von Raum und Zeit verschoben, aufgelöst. Jetzt scheint mir die Sonne ins Gesicht. Sibylle liegt friedlich schlummernd an mich gekuschelt. Als ich auf den Wecker schaue, halte ich doch erst mal die Luft an, glaube zu träumen. Freundlich blinkt mir die Anzeige soeben 11:53 entgegen. Zärtlich, sanft ziehe ich meine Liebste zu mir, raune ihr ins Ohr: „Liebling, meine Waldfee, du bist eine Zauberin!“ Ganz leise kommt es flüsternd, „das sind doch alle Feen, wusstest du das nicht?“

 

© murr