Lüstern...

 

 

Mit dem Schlüssel in der Hand hetze ich die letzten Stufen der Treppe hinauf –

in Richtung Wohnungstür.

Mich erfasst Panik!

Mein Telefon klingelt!

Als ich endlich die Tür auf bekomme,

höre ich den Anrufbeantworter seinen Text runterleiern.

„Das bin wirklich ich, die da spricht?

Grauenvoll! Muss ich unbedingt neu besprechen!“,

denke ich, atme tief durch und nehme scheinbar ruhig

den Hörer des Telefons in die Hand und melde mich.

 

„Hallo Schatz, du bist ja doch zuhause. Das ist schön.“,

höre ich seine leise sonore Stimme.

„Ja, Lieber, ich habe das Telefon nicht gleich gehört.

Es steht wieder mal im Flur.“

„Ist nicht schlimm, da ich dich erreiche.

Hmmm,... hast DU heute... Lust?“

Diesen Unterton liebe ich, er wirkt wie ein Versprechen,

auf einen reizenden Abend.

Provokant lieb frage ich: „Sollte ich heute... LUST haben?“

Ich höre ihn schmunzeln.

„Es käme meiner Absicht entgegen... dich heute... besonders zu verwöhnen!

Erwarte mich gegen 21.30 Uhr und... bitte... zieh dich sexy an, ja...?“

Meine Stimme bekommt einen erotischen Unterton:

„Schön sexy oder verrucht?“

Auch seine Stimme jetzt verführerisch.

„Ein Zwischending wäre ideal, die schön verruchte, sexy Lady...  schön heiß!“

Er hat... aufgelegt!

 

Was wird mich heute erwarten?

Ein Blick zur Uhr, noch drei Stunden Zeit.

Im Kopf entwerfe ich einen Ablaufplan

und überlege gleichzeitig, was ich anziehen könnte.

Dabei drehe ich den Hahn für die Badewanne auf... heiß ist jetzt das Richtige.

Nein heute keine Milch, eher Rosmarin.

In der Küche mixe ich mir ein Meersalz – Honig - Peeling.

Später zur Pflege Jojoba - Öl anstelle einer Bodylotion.

Für die Augen noch Schwarztee, meine Augen sind etwas angestrengt.

Genüsslich gleite ich in die Wanne mit heißem Wasser.

Sprudeldüsen anstellen, Augenpackung auflegen und... genießen!

Sanft perlt das Wasser gegen meinen Körper.

 

Ich konnte es wieder mal nicht lassen, mich vor dem Spiegel zu drehen.

Mein Körper ist schön!

Angenehme Weiblichkeit, nicht dick.

Meine Brüste immer noch fest und ansehnlich,

die Schwerkraft kann ihnen nichts anhaben.

Das kommt vom Schwimmen, es trainiert nicht nur Kreislauf und Kondition,

 sondern auch die Brustmuskeln.

Nur mein leichtes Bäuchlein macht mir Sorgen, aber damit muss ich leben,

 schließlich habe ich zwei Kinder geboren und werde nächstes Jahr fünfzig.

Mein Liebster meint, ich hätte kein Bäuchlein,

das gehöre zu meinen fraulichen Rundungen

und ohne sie, wäre ich nur halb so sexy.

 

Das Peeling tut meiner Haut gut, sie sieht sofort frischer, strahlender aus.

Noch eine Haarspülung mit einigen Tropfen Zitrone

und ich steige aus der Wanne,

wie Aphrodite aus dem Meeresschaum.

 

Als nächste Übung: Kleiderschrank inspizieren, oder eher strapazieren?

Eigentlich... nichts davon!

Meine Kleiderordnung steht fest.

Anthrazit und Rot werden heute meine Farben sein.

Rote Highheels und rotes Halbbrustkorsett aus schwerer Chinesischer Seide.

Eine Chiffontunika, ein enger Seidenrock mit raffiniertem Schlitz hinten.

Beides wie die Strümpfe in Anthrazit.

 

Ein Blick in den Spiegel bestätigt mein Körpergefühl.

Nein, nicht sexy... lüstern trifft es besser!

Das ich die Tunika unter dem Korsett trage ist aufreizend.

Der üppig verteilte Chiffon verhüllt alles und trotzdem,

schimmerndes Fleisch und

die Ahnung als wollten meine Brüste die Enge sprengen.

Auf Schmuck verzichte ich.

Der Rock sitzt wie eine zweite Haut. Nichts zeichnet sich ab!

Nichts kann auch nichts abzeichnen.

Auch von hinten sieht es gut aus,

der Gehschlitz beginnt am Schritt

und wird durch die langen Bänder des Korsetts noch betont.

Beim Laufen blitzen die Spitzenränder der Halterlosen.

Das Gefühl der kleinen Silberkugel am Kettchen zwischen den Schenkeln,

gibt den letzten Kick!

Perfekt!

 

Auf dem Weg zur Eingangstür übe ich den ach, so weiblich leicht,

wiegenden Gang...

einer Dame.

Aufreizend, nicht vulgär!

In der Tür steht mein Liebster und braucht einige Zeit, um sich zu besinnen...

den leicht verblüfft - dümmlichen Gesichtsausdruck zu überwinden.

Dann strahlt er.

„Umwerfend!“,

kommt es atemlos gehaucht.

Huldvoll neige ich den Kopf und... genieße seine Reaktion,

schließlich ist er über zehn Jahre jünger als ich.

„Du bist die perfekte Verführung.

Ich erlaube mir noch ein winziges Tüpfelchen auf das „i“ zu setzen.“

Jetzt bekomme ich den Mund nicht mehr zu.

Er legt mir antiken Eisenschmuck mit mittelgroßen Granaten an.

DIE Ergänzung zu meinem Outfit.

 

In der nobelsten Bar werde ich drei Paaren vorgestellt.

Sehr schlicht und stolz, mit: „Das ist SIE!“

Schlagartig ist mir die Aufmerksamkeit der Männer sicher!

Ebenso der Neid der Damen.

Es wird ein wundervoller Abend.

Die Bekannten meines Liebsten sind sehr aufmerksame, taktvolle Männer.

Großzügig gewähre ich jedem an diesem Abend einen Tanz,

gefolgt von den tödlichen Blicken der Partnerinnen.

 

Sehnsüchtig folgen uns sechs glänzende Augenpaare, als wir Tango tanzen.

 

Das... ist... unser Tanz!

Subtile Verführung!

Bitten.

Flehen!

Macht!!!

Mein Intimschmuck entfaltet seine Wirkung.

Augen und Körper locken, versprechen, wehren ab!

Fordern...

bewusst sanft

– hart –

bedingungslose...

Ergebenheit!

Triumph!

Scheinsieg des Herrn!

 

Spät in der Nacht wird der Tango vollendet.

Wir sind allein.

Zu zweit.

EINS!

 

Das Taxi bringt mich nach Hause.

Ich mich ins Bett.

Es war ein sehr schöner, heißer Abend.

Nackt räkle ich mich genüsslich in meine Lieblingsschlafstellung.

Satt... bin ich... heute... nicht!

 

Kühle Hände berühren meinen Körper, sanft besitzergreifend.

Ein heißer Mund folgt ihnen leckend, küssend, beißend.

Oh! Ist das scharf!

Als der Mund verlangend, fordernd, meinen in Besitz nimmt, bebt mein Körper.

Die fremde Zunge tanzt um meine, schlingt sich um sie.

Windet sich tiefer, immer tiefer in mich hinein.

Zärtliche Finger spielen mit meinen Knospen.

Mein Stöhnen verebbt im anderen Mund.

Sanft und fest zugleich greifen Daumen und Mittelfinger die Knospen,

ziehen sie vom Körper,

bis sie... von selbst entgleiten.

Die Finger finden den richtigen Rhythmus, fassen fester!

Die Zunge ist in meinem Lustzentrum angekommen.

Küssen wird wichtiger als Luft holen!

Wimmernd windet sich mein Körper,

kann nicht entkommen.

Bevor mein Orgasmus explodiert...

hört alles auf...

NEIN!

NEIN... NICHT AUFHÖREN... !!!

... nicht... bitte... bit...

Ich bebe!

Ich will explodieren!

Oh!

Diese Qual!

NICHTS passiert....

 

Mühsam zwinge ich mich, meine Augen einen Spalt zu öffnen.

Was... WAS... ???

In meiner Schlafzimmertür steht ein fremder Mann!

 

Ein Traum... von einem Mann!

Groß, dunkelblond, unergründliche, sinnlich funkelnde Augen.

Angenehme männliche Gesichtszüge.

Der Body, sportlich durchtrainiert, kraftvoll, gut proportioniert.

Vor Aufregung verschlägt es mir den Atem -

ziehe ich die Unterlippe zwischen die Zähne!

Bekomme Kulleraugen!

Diese Männlichkeit... ich... habe... noch nie... sooo...

einen Schwanz gesehen!

Er ist geweckt, aber noch nicht erwacht.

So... vollendet!

Verlangend wandert mein Blick über diesen kraftstrotzenden Männerkörper.

War er es eben?

 

Sein Blick fixiert, hypnotisiert mich!

Der Mund ist wieder da!

Knabbert und saugt an den Knospen!

Die kühle Hand liegt ruhig auf meinen glatten, zarten Rosenblättern.

Oh, Gott!

Ein zweiter Mund... an... der anderen Knospe!

Ich will sehen was passiert,

sehe aber nur seine Augen, eindringlich und liebevoll.

Diese Gier auf Lust, die in mir entsteht, facht meine Fantasie an.

Ich wünsche mir ein langsames, genüssliches Spiel mit meiner Begierde.

Möchte die Hölle qualvoller Lust durchwandern, um den Himmel zu erreichen!

Spüren, dass ich begehrt werde!

 

Ich bekomme es zu spüren!

Und WIE!!!

Münder, Zungen, Küsse, Hände... alles bis ich mir nur noch wünsche...

Mich aufzulösen!

Ich spüre eine Männlichkeit an meiner Pforte, sanft klopft sie an.

Dringt ein, bis zum letzten Hauch.

Göttlich!

GEIL!

Aber er fühlt sich nicht so an, wie ihn mir meine Erinnerung vorgaukelt...

nicht sooo... gewaltig!

Er setzt mich auf seinen Schoß, saugt sich an meinem Mund fest,

verführt meine Zunge zu einem Schlangentanz.

Die lockenden Bewegungen werden intensiver, wandern zur Lustgrotte.

Ich spüre, wie die Männlichkeit in mir wächst,

sich wandelt in einen gewaltigen Schaft,

mit einer Eichel, die sich um den Muttermund legt,

ihn fast liebkosend verschlingt.

Mir die Luft aus den Lungen presst.

Der Schafft pulsiert... immer heftiger!

Das ist zu viel!

Ich schreie, bäume mich auf und winde mich in seinen starken Armen!

Alles gleichzeitig!

Es  hört nicht auf!

Wieder... und wieder... und wieder, noch mehr... und

…. wieder erfassen mich Orgasmen,

lassen meinen Körper beben, zucken, mich schreien, stöhnen, wimmern!

Es hört nicht auf!

Bis ich kraftlos zusammenfalle!

Mein letzter Gedanke...

WER BIST DU?

 

„Dein Inkubus“,

höre ich es in meinem Kopf.

„... ich bestehe aus deinen Gedanken und Wünschen...

und erfülle sie, bis du restlos zufrieden bist...

Jetzt schlaf!“

 

Warme Sonnenstrahlen auf meinem Rücken wecken mich.

Genüsslich strecke ich alle Glieder, spürte meine Muskeln...

Jeden einzelnen!

Lächle!

Mein Liebster, ich hoffe du fühlst dich genau so gut wie ich.

Ich danke dir für diese wundervolle Nacht!

Für dich, bin ich... gern lüstern!

 

Meine Fantasie hat mir einen sinnlichen Streich gespielt!

Die Realität ist mir lieber!

 

Im Flur klingelt das Telefon.

 

 

© murr

 

 

 




 

 

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