Neuigkeiten

 

"Wer schreibt, provoziert."

Marcel Reich-Ranicki

 

"Wer so schreibt, animiert!"

Beatrice von Stein

 




 

Viele Scheidungen sind die Folge einer Mid-Wife-Crisis.
Kuno Klaboschke

 

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Beatrice von Stein


Alexander und Bettina

Anstandsbesuch

 

Bettina saß bei einer ehemaligen Lehrerin. Frau Kaminski hatte ihre Klasse damals in der Unterstufe in Mathematik gehabt, und sie war ein ausgesprochen mütterlicher Typ gewesen. Bettina mochte sie sehr gerne, und das war auch der Grund, warum sie ihr immer noch Besuche abstattete, obwohl die Lehrerin schon seit Jahren pensioniert war. Frau Kaminski war alleinstehend. Warum es bei ihr mit Partner und Familie nie geklappt hatte, war Bettina unerfindlich, denn die alte Dame war ein so lieber Mensch, und sie wäre bestimmte auch eine gute Mutter gewesen. Einmal im Monat tranken sie beide also gemeinsam Kaffee, und Bettina brachte den Kuchen mit. Frau Kaminski freute sich jedes Mal schrecklich und wollte sie gar nicht mehr weglassen. Meistens sollte sie sogar noch zum Abendessen bleiben.

 





Joyce C.


Schwanensee

 

Sie lag auf dem großen Rundbett und sah ihm zu, wie er, mit Kopfhörern ausgestattet, an seinem Notebook saß, auf das Display sah und gleitende Bewegungen mit seiner rechten Hand ausführte, als dirigierte er das Orchester vor ihm. Die wenigen Töne, die den Weg zu ihr fanden, klangen nach Tschaikowski. Seine Bewegungen passten dazu. Der Rhythmus zumindest. Er sah bisweilen flüchtig zu ihr, lächelnd, aber seine Augen in erwartender Unruhe.

 


 

In der Liebe ist es meistens die Festung, die den Belagerer erobert.
Peter Pasetti

 

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Joyce C.


Out of the Blue

 

Einen Massagesessel gebraucht zu kaufen war nicht direkt Teil ihrer Vorstellung von einem erfüllten Leben, aber der Preis, zu dem sie das Ding erstanden hatte, war geradezu lächerlich und sie brauchte nur eine halbe Stunde mit dem Auto, um ihn abzuholen. Sie klingelte, ein überraschend junger Mann öffnete, sie sagte „Hi“ und fand sich selbsterklärend. Er lächelte sie an und schwieg.

„Massagesessel?“ Sie sah ihn auffordernd an.

Er grinste breit. Bat sie wortlos herein und fuhr ihren noch ansehnlichen Körper mit den Augen ab. Er lotste sie ins Wohnzimmer, nahm ihr die Jacke ab und bot ihr den Platz auf dem Sessel an. Sie setzte sich, antwortete „Ein Wasser“ auf seine Frage, lehnte sich aber nicht zurück, bis er wieder bei ihr war.

 


 

Die Liebe kommt leise, aber knallt mit der Tür, wenn sie geht.
Standesamt Poppenbüttel

 

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Anna


Corpsbrüder

 

„Gib mir deine Nummer!“, hat er gesagt. Was heißt gesagt? Befohlen!

Oh wie gut mir das zupass kommt. Das weiß er bloß nicht, und das soll auch so bleiben.

Thomas ist ein Corpsbruder meines Vaters, und er ist auch so alt wie mein Vater. Er verfügt – über alles und jeden. Er ist Bankdirektor, und er ist der Vater meines Liebsten, der seinem Sohn verbietet, mich zu heiraten. Und der Herr Direktor bekommt, was er will. Immer! Meint er!

 


 

Wenn Frauen unergründlich erscheinen,

dann liegt es am fehlenden Tiefgang der Männer.

 

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Anna


Die Sekretärin des Bürgermeisters

 

Sie küsst mich, dass mein Blut kocht. Seit ich sie kenne, habe ich beinahe dauernd einen Ständer, aber immerhin geht auch an ihr die Lust nicht spurlos vorüber. Ihre Augen sagen es mir. Ich komme auch viel zu oft „zufällig“ bei ihr vorbei. Mein Assistent schaut schon komisch. Aber sie ist so süß! Ich kann es einfach nicht lassen! Seit sie im Rathaus ist …

Und gestern Abend, du lieber Himmel …

 


 

Es gibt keine neuen Sünden - nur alte Verführer.
Kuno Klaboschke

 

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Joyce C.


Aktmodell auf Zeit 2

 

„Mara, meine Liebe, ich hätte da mal eine etwas unangenehmere Anfrage für dich. Du kannst gerne nein sagen.“

„Schieß los.“

„Es geht um einen Studenten, sehr talentiert! Ich habe dir was von ihm geschickt, sieh es dir an.“

Sie folgte mir zu meinem Notebook und wartete, bis ich den Anhang ihrer E-Mail geöffnet hatte.

„Das ist ein Schwarzweißfoto. Nett.“

„Das ist kein Foto. Sieh es dir genauer an.“

 


 

Junggesellen fehlt zum Glück die Frau.
Pater Madison

 

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Joyce C.


Aktmodell auf Zeit 1

 

Der junge Kellner sah in Evas Ausschnitt, als wollte er den Cappuccino auf ihr servieren. Mit sechsunddreißig sahen wir wohl noch knackig genug aus, um solche Blicke auf uns zu ziehen und Evas Ausschnitt war eine pure Provokation. Wir grinsten um die Wette, als der Jungspund sich mit seinem Tablett entfernte.

„Siebzehn Jahre“, sagte sie gedankenverloren, „wir waren zuletzt vor siebzehn Jahren hier,“

„Was hast du gemacht, nach dem Abi, dasselbe wie davor, dich vom halben Wedding flachlegen lassen?“ Ich kicherte albern.

 


 

Ein Mann, der nachgibt, obwohl er recht hat, ist ein Weiser oder verheiratet.
John Cummings

 

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Joyce C.


Das Geschenk 3

 

Die beiden Schönheiten neben mir hätten unterschiedlicher kaum sein können. Carla war in der Tat die versaute und härtere Variante von Marie, die ich aufrichtig liebte.

„Warum habt ihr nicht gleich mit offenen Karten gespielt?“

„Haben wir einmal zu oft, was zur Folge hatte, dass wie beide leer ausgingen. Ein Kerl der sich in Carla verliebt, muss nicht unbedingt auf mich stehen, vice versa. Also versuchen wir es unabhängig voneinander, wenn es klappt, ist er der Richtige und kann bleiben.“

„Wie viele Richtige … ach, egal.“

 


 

Männer essen mit den Augen - vor allem, wenn die Kellnerin hübsch ist.
Ugo Tognazzi

 

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Joyce C.


Das Geschenk 2

 

Dass Carla jetzt das Gegenteil von sauer auf mich war, war eigentlich das Ziel gewesen, nur war Georg weit darüber hinausgeschossen. Sie spielte mit ihren Füßen an meinen Beinen, als wir am Tisch saßen und ignorierte meine ermahnenden Blicke. Ich fragte mich, wie ich aus der Nummer wieder rauskommen sollte und entschied, dass es nur einen gab, der sich was einfallen lassen musste. Georg würde den Anschiss seines Lebens erhalten und dann würde er sich eine Lösung überlegen müssen.

 


 

Wenn es dir möglich ist,

mit nur einem kleinen Funken die Liebe in der Welt zu bereichern,

dann hast du nicht umsonst gelebt.

Jack London

 

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Beatrice von Stein


Alexander und Bettina

Das Gespräch

 

Als sie nach Hause kam war sie so kaputt, dass sie sich nur noch hinlegen wollte. Was war das für ein Tag gewesen!? Was für eine Woche!? Sie wusste nicht, wo sie anfangen sollte, so viel Arbeit war über sie herein gebrochen. Außerdem sehnte sie sich nach Alexander. Wenn sie ihn nur sehen könnte! Nur mit ihm zu reden, wäre schon wundervoll gewesen, aber sie sah ihn immer nur von weitem. Es war schon fast drei Wochen her, dass sie bei ihm gewesen war. Um es genau zu sagen: 19 Tage! Und da hatte sie purer Hunger nach seiner Zärtlichkeit getrieben. Beinahe war sie schon wieder an diesem Punkt.

 



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